Psychotherapeutische Behandlung

Die Psychotherapie ist eine der zwei Grundsäulen bei der Behandlung der Depression.

In einer Psychotherapie werden psychische Erkrankungen und ihre Begleiterscheinungen durch Gespräche und Übungen mit einem Psychotherapeuten behandelt. Das konkrete Therapieziel wird vorher gemeinsam festgelegt.

Suche eines Psychotherapeuten

Bei einer ambulanten Therapie besteht die Möglichkeit, fünf Probesitzungen (sogenannte probatorische Sitzungen) zu nutzen. Bei der Psychoanalyse sind es acht. Während dieser Sitzungen können alle offenen Fragen bezüglich des Ablaufs einer Psychotherapie mit dem Psychotherapeuten geklärt werden. Darüber hinaus kann der Patient feststellen, ob die „Chemie“ stimmt, d.h. ob er und der Psychotherapeut langfristig miteinander arbeiten können. Hat der Therapeut eine kassenärztliche Zulassung, übernimmt die Krankenkasse hierfür auf Antrag die Kosten.

Um Adressen und Telefonnummern von Psychotherapeuten in Deutschland in Erfahrung zu bringen, wenden Sie sich an:
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ihren Hausarzt oder ihren Facharzt für Psychiatrie,
- die örtlichen Krankenkassen,
- die örtliche Kassenärztliche Vereinigung,
- den Psychotherapie-Informations-Dienst.

Wichtig bei der Kontaktaufnahme per Telefon ist, sich nicht entmutigen zu lassen, wenn nur ein Anrufbeantworter vorzufinden ist oder auf eine Nachricht hin nicht sofort zurückgerufen wird. Meist haben die Psychotherapeuten Telefonsprechzeiten. Hier sind sie direkt erreichbar, um Termine zu vereinbaren.

Bei der Wahl eines Psychotherapeuten spielt die Art des Therapieverfahrens eine wichtige Rolle.


Psychotherapieverfahren

Es gibt verschiedene Psychotherapieverfahren, denen unterschiedliche wissenschaftliche Theorien über die Entstehung und Behandlung von psychischen Störungen zugrunde liegen.

Generell werden drei für eine große Bandbreite psychischer Erkrankungen anwendbare Psychotherapieverfahren von der Krankenkasse bezahlt (sogenannte Richtlinienverfahren):

Kognitive Verhaltenstherapie

Theorie: Die Kognitive Verhaltenstherapie (KVT) gehört zu der großen Verfahrensgruppe der Verhaltenstherapie, die auf den Gesetzen der Lerntheorie beruht. In der Lerntheorie werden psychische Erkrankungen als Folge ungünstiger (Lern-)Erfahrungen in der Vergangenheit verstanden. Diese ungünstigen Lernerfahrungen werden in der Therapie bearbeitet. Mit Übungen und in Gesprächen werden neue, günstigere Verhaltensweisen erlernt.

Behandlungsfokus: In der KVT werden zusätzlich innere Vorgänge wie Gedanken, (negative) Einstellungen und Gefühle thematisiert, um diese zu verändern. In der Behandlung geht es daher vor allem um die Vermittlung und das Erlernen neuer Verhaltens- und Denkmuster, sodass freudvolleres Erleben möglich wird und sich die Stimmung normalisieren kann. Auch die Psychoedukation, in welcher der Therapeut Wissen über die Erkrankung und Möglichkeiten des aktiven Umgangs vermittelt, ist ein wichtiges Element der KVT.

Die KVT findet im Einzelgespräch statt, auch Gruppensitzungen sind möglich. Das therapeutische Vorgehen ist im Gegensatz zu Psychoanalyse und tiefenpsychologisch fundierter Psychotherapie klar strukturiert. Die in der Therapie besprochenen Themen beziehen sich auf die Gegenwart.

Die KVT umfasst in der Regel eine bis maximal zwei Sitzungen pro Woche und erstreckt sich über 30 bis 40 Sitzungen. Maximal kann die Therapie auf insgesamt 80 Sitzungen verlängert werden.

Zur Behandlung von Depression liegen für die Kognitive Verhaltenstherapie mit Abstand die besten Wirksamkeitsnachweise vor.

Psychoanalyse

Theorie: Begründer der Psychoanalyse ist der Wiener Arzt Sigmund Freud (1856–1939). Nach Auffassung der psychoanalytischen Theorie liegen psychischen Erkrankungen unbewusste Konflikte, psychische Entwicklungsdefizite, traumatische Erfahrungen und früh gestörte Beziehungsmuster zugrunde. Solche ungelösten Konflikte sowie Verletzungen und Kränkungen aus der Kindheit, die dem Menschen unbewusst sind, also (zunächst) nicht erinnert werden können, können nach dieser Theorie gegenwärtige Beziehungen belasten.

Behandlungsfokus: Ziel der Therapie ist es, verborgene bzw. verdrängte Konflikte, vor allem aus der Kindheit, zu erinnern und aufzuarbeiten. Die psychoanalytische Behandlung stellt einen Prozess dar, der die persönliche Entwicklung und Erkenntnis und damit die Genesung fördert.

Für die Akutbehandlung von Depression ist eine Psychoanalyse eher nicht geeignet.

Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie

Theorie: Die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie arbeitet mit den Erkenntnissen der Psychoanalyse und deren Weiterentwicklungen. Sie gehört – wie die Psychoanalyse – zu den psychodynamischen Verfahren und hat ähnliche Annahmen über die Ursachen psychischer Erkrankungen.

Behandlungsfokus: Im Zentrum der Behandlung stehen, im Gegensatz zur Psychoanalyse, verstärkt aktuelle psychische Konflikte, die der Patient immer wieder mit sich selbst und in der Beziehung zu anderen erlebt.


Weiterführende Informationen

Mehr Informationen zu dem Thema Psychotherapie und Wege zur Psychotherapie bietet der Ratgeber der Bundespsychotherapeutenkammer.