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Versorgungsdefizite

Versorgungsdefizite bei depressiven Patienten

Eine pharmakotherapeutische Behandlung mit Antidepressiva und eine Psychotherapie (z.B. kognitive Verhaltenstherapie) können der Mehrheit der depressiven Patienten helfen. Wirksame Behandlungen werden jedoch sehr häufig nicht eingesetzt, da Depressionen übersehen und in ihrer Schwere unterschätzt werden (siehe Abbildung). Dafür gibt es mehrere Gründe:

  • Die depressiv Erkrankten erleben ihre Erkrankung fälschlicherweise als persönliches Versagen und schämen sich, zum Arzt zu gehen. Viele Erkrankte sind auch zu hoffnungslos und kraftlos, um sich Hilfe zu holen.

  • Die meisten depressiven Patienten befinden sich beim Hausarzt in Behandlung. Für diesen ist es oft schwierig, eine Depression zu diagnostizieren, da die Patienten körperliche Beschwerden in den Vordergrund stellen und so die zugrunde liegende Depression bei mehr als der Hälfte der Patienten nicht erkannt wird.

  • Die Schwere depressiver Erkrankungen wird oft von den Nichtbetroffenen unterschätzt, leider nicht selten auch von Ärzten.

  • Selbst wenn die Depression erkannt wird, erhält nur weniger als die Hälfte dieser Patienten eine konsequente antidepressive Behandlung - sei es, weil ärztlicherseits keine wirksame Behandlung verordnet wurde, sei es weil die Patienten die Behandlung, z.B. die Einnahme von antidepressiven Medikamenten (Antidepressiva), nicht einhalten bzw. vorzeitig wieder abbrechen oder das Angebot einer Psychotherapie ablehnen.

Die Abbildung verdeutlicht die zentrale Rolle der Hausärzte, da die Mehrheit der depressiven Patienten beim Hausarzt in Behandlung ist und hier große Optimierungsspielräume hinsichtlich Diagnose und Therapie bestehen.


Referenzen

(1) Alonso et al. (2004): Use of mental health services in Europe: results from the European Study of the Epidemiology of Mental Disorders (ESEMeD) project. Acta Psychiatr Scand 109: 47-54.

(2) Wittchen & Jacobi (2012): Was sind die häufigsten psychischen Störungen in Deutschland? DEGS: Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland. Symposium „Gemessen und gefragt - die Gesundheit der Deutschen unter der Lupe“, 14. Juni 2012, Berlin.

(3) Jacobi et al. (2002): Prävalenz, Erkennens- und Verschreibungsverhalten bei depressiven Syndromen. Eine bundesdeutsche Hausarztstudie. Nervenarzt 73: 651–658.

(4) Mitchel et al. (2009): Clinical diagnosis of depression in primary care: a meta-analysis. Lancet 374: 609-19.

(5) Boenisch et al. (2012): Who receives depression-specific treatment? A secondary data-based analysis of outpatient care received by over 780.000 statutory health-insured individuals diagnosed with depression. Soc Psychiatr Epidemiol 47: 475-486.

(6) Pinto-Meza et al. (2011): Dropping out of mental health treatment among patients with depression and anxiety by type of provider: results of the European Study of the Epidemiology of Mental Disorders. Soc. Psychiatry Psychiatr Epidemiol 46: 273-280.

(7) Lingam & Scott (2001): Treatment non-adherence in affective disorders. Acta Psychiatr Scand 105: 164-172.

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